Ein interdisziplinäres Projekt zur Euthanasie im Nationalsozialismus
Maria Daniel – ein Schicksal aus dem Kreis Euskirchen
Maria Daniel als Baby auf dem Arm ihrer Mutter (Quelle: Bildarchiv Herbert Wollgarten, Geschichtsforum Schleiden)
Geburt
19. Februar 1914
Familie
Eltern: Peter Joseph Daniel (1876 – 1961), Maria Katharina Hubertine Daniel geb. Claßen (1876 – ?); Geschwister: Klemens Daniel (1911 – 1943), Peter Daniel (1916 – 1945), Anna Margaretha Daniel (1917 – 1991), Franz Daniel (1922 – 1944)
Wohnort
Morsbach (Morsbach 62)
Beruf
Handelsgehilfin
Verfolgung
Aufgrund ihrer geistigen Behinderung wurde sie am 20. Mai 1941 in ein Pflegeheim in Andernach eingewiesen.
Tod
Am 20. Juni 1941 wurde Maria Daniel in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt. Sie wurde im Rahmen der »Aktion T4« ermordet. Der Name »Aktion T4« wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt und bezieht sich auf den Sitz der für die Organisation der Morde zuständigen Behörde in der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Insgesamt tötete das nationalsozialistische Regime etwa 300.000 Menschen, die die Verantwortlichen als »krank« erachteten. Fast 15.000 von ihnen wurden in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet.
Zwangssterilisationen und Ermordungen
Die vermeintlich »arische« Herkunft allein war nicht ausreichend, um Teil der »Volksgemeinschaft« sein zu können. Menschen mit Behinderung galten als eine gesellschaftliche Gefahr und Belastung. Zahlreiche Mediziner teilten diese Ansicht. Sie wiesen Menschen in medizinische Anstalten ein, erstellten Gutachten, führten Zwangsterilisationen durch und ermordeten Menschen bzw. veranlassten entsprechende Maßnahmen. Menschen mit Behinderung sollten keine Kinder bekommen können. Für die Nationalsozialisten war dies nicht weitreichend genug. Der Mord war die letzte Konsequenz dieser behindertenfeindlichen Politik.
Diese Biografie basiert auf Recherchen von Schülern der Clara-Fey-Schule Schleiden und Franz Albert Heinen.
weiterführende Informationen: Ernst Klee: »Euthanasie« im Dritten Reich. Die »Vernichtung lebensunwerten Lebens«, Frankfurt am Main 2010.
Euthanasie
Aktion T4 – Das NS-Euthanasieprogramm
„Vernichtung von lebenunswertem Leben“- unter diesem Motto ermordeten die Nationalsozialisten ab 1939 systematisch Menschen mit körperlichen, geistigen und psychischen Behinderungen. Das Wort Euthanasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „schöner Tod“. Die Nazis haben dieses Wort allerdings genutzt, um ihre Mordtaten zu beschönigen und zu verschleiern.
Was war „T4“?
- Die Nationalsozialisten starteten ihr erstes großen Massenmordprojekt im Rahmen der Euthanasie im Jahr 1940.
- T4 war der Versuch der Nazis, ihren Plan von einer „perfekten“ und „biologisch gesunden“ Gesellschaft umzusetzen.
- Die kranken und beeinträchtigten Menschen wurden als wirtschaftliche Belastung angesehen und man nannte sie „Ballastexistenz“, dementsprechend wollte der NS-Staat sie entsorgen.
Der Name: „T4“ leitet sich von der Adresse der Hauptzentrale, die in der Tiergartenstraße 4 in Berlin lag, ab. Dort wurde das Projekt von Bürokraten, Ärzten und Gutachtern geleitet.
Wie wurden die PatientInnen für die Euthanasie ausgewählt?
Die Anstalten mussten Akten über ihre Patienten führen. Die Ärzte in Berlin entschieden dann anhand eines Kreuzes auf dem Papier über das Schicksal der Menschen. Eine grauenhafte Vorstellung!
Wo und wie lange wurde gemordet?
Der Massenmord zog sich durch den gesamten 2. Weltkrieg, hatte seinen Höhepunkt allerdings in den Jahren 1939 bis August 1941 und 1942 bis 1945. Die erste Phase der Euthanasie nennt man „Die zentrale Phase“, während die zweite Phase als „Die dezentrale Phase“ bezeichnet wird.

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Euthanasie-Programm-Die-Rassenhygiene-der-Nationalsozialisten,euthanasie100.html, Stand vom 25.09.2026.
Die zentrale Phase (1939 bis August 1941)
In dieser Zeit gab es sechs zentrale Tötungsanstalten im Deutschen Reich (Grafeneck, Brandenburg, Bernburg, Hartheim, Sonnenstein und Hadamar). Die Opfer wurden in grauen Bussen dorthin gebracht und sofort in als Duschräume getarnten Gaskammern durch Kohlenmonoxid getötet. Über 70.000 Menschen starben auf diese Weise.
Die dezentrale Phase (August 1942 bis 1945)
Weil es Proteste in der Bevölkerung und aus der Kirche gab, stoppte Hitler die Ermordung in Gaskammern offiziell. Doch das Morden ging heimlich in „normalen“ Heil- und Pflegeanstalten weiter. Ärzte und Krankenschwestern töteten die Patienten nun dezentral durch überdosierte Medikamente, Giftspritzen oder indem sie sie bewusst verhungern ließen.

Quelle: https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/nach-themen/euthanasie-im-dritten-reich, Stand vom 25.09.2026.
Fazit des Schreckens
Bis zum Ende des Krieges im Jahr 1945 wurden insgesamt weit über 200.000 Menschen Opfer der NS-Euthanasie, darunter auch Tausende Kinder in sogenannten „Kinderfachabteilungen“.
Die Aktion T4 war historisch gesehen die „Generalprobe“ für den späteren Holocaust an den europäischen Juden, da die Täter dort die Logistik und die Technik der Gaskammern erprobten.
Informationen zusammengestellt von Max Gebele, Marienschule Euskirchen
Die ideologische Motivation
Das Euthanasieprogramm hatte politische und wirtschaftliche Motive. Nach der Ideologie des Nationalsozialismus sollte die „Arische Rasse“ von diesen behinderten Menschen gesäubert werden. Die Menschen mit Behinderung galten als finanzielle Belastung des Staates und als Bedrohung der biologischen Zukunft des Volkes.
Das Bild zeigt die Propaganda des Naziregimes. Die Kosten, die „Erbkranke“ verursachen würden, werden im Vergleich zu einer „erbgesunden“ Familie gezeigt. Die Propaganda sollte das Volk manipulieren, Menschen mit Behinderungen zu verabscheuen und als wertlos zu betrachten.
Quelle: Vergleich der täglichen Lebenshaltungskosten für einen Erbkranken und für eine erbgesunde Familie. Wurde in der NS-Zeit zu Schulungszwecken verbreitet. bpk-Bildagentur, Bildnummer 30009704.
Das Euthanasieprogramm
In den frühen Monaten des Jahres 1939 startete das Euthanasieprogramm, mit Säuglingen und Kleinkindern als Opfer. Im Herbst 1939 wurde die Führung des Programms an Hitlers Kanzlei übergeben. Es wurde eine Geheimvollmacht unterschrieben, um die Ärzte und Forscher vor der Strafverfolgung zu schützen. Diese Geheimvollmacht wurde auf den 1. Oktober rückdatiert, sodass das Datum mit der Invasion von Polen übereinstimmte. Im Herbst 1939 wurde die Aktion T4 eingeleitet, womit das Euthanasieprogramm auf Erwachsene erweitert wurde.
In Pommern, Westpreußen, und dem besetzten Polen wurden allein etwa 30.000 Patienten und Patientinnen ermordet. Im ganzen Reich gibt es etwa 300.000 dokumentierte Morde.
Informationen zusammengestellt von Luard Aliu, Marienschule Euskirchen
Hadamar – wo Euthanasie ihre dunklen Schatten wirft
Hadamar während der NS-Zeit – Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderte sich auch der Umgang mit Menschen, die von den Nationalsozialisten als „krank“, „behindert“ oder „nicht leistungsfähig“ bezeichnet wurden. Die NS-Ideologie definierte den Wert eines Menschen nach der angeblichen „Nützlichkeit“ für die Gesellschaft. Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen wurden ausgegrenzt und später systematisch ermordet.
Tötungsanstalt Hadamar
Ende 1940 wurde die damalige Landesheilanstalt Hadamar zu einer Tötungsanstalt für „Behinderte“ und „Kranke“ umgebaut. Diese war die sechste und zentrale Tötungsanstalt der Aktion T4. Ab dem 13. Januar 1941 trafen Transporte mit Patientinnen und Patienten ein. Die Menschen wurden zunächst mit Bussen nach Hadamar gebracht. Im Keller der Anstalt war eine Gaskammer eingerichtet. Dort wurden die Menschen mit Kohlenmonoxid auf grausame Weise durch Erstickung ermordet. Anschließend wurden ihre Leichen im Krematorium verbrannt. Den Angehörigen wurden häufig gefälschte Todesursachen wie Herzinfarkte und andere falsche Angaben mitgeteilt, um die Morde geheim zu halten, dabei wurden die Todesdaten der Opfer teilweise um Wochen oder sogar Monate verfälscht.

Quelle: https://www.fr.de/assets/images/7/592/7592120-die-ehemalige-gaskammer-fotosammlung-gedenkstaette-hadamar-valentin-pfleger-2uQIjHSgaRec.jpg, Stand vom 30.09.2026.
Der Weg nach Hadamar über Zwischenanstalten
Für viele Opfer begann der Weg nach Hadamar nicht direkt dort. Sie wurden zunächst aus ihren Heil- und Pflegeanstalten in sogenannte Zwischenanstalten verlegt. Diese Verlegungen dienten auch dazu, die geplanten Morde zu verschleiern. Für Angehörige wirkte es häufig wie ein gewöhnlicher Transport in eine andere Einrichtung. Sie wussten nicht, was tatsächlich mit ihren Familienmitgliedern geschah.
Von den Zwischenanstalten wurden die Menschen schließlich nach Hadamar gebracht und dort ermordet. Namen, Daten und Todesursachen wurden teilweise verändert, um die Verbrechen geheim zu halten.
Der Weg nach Hadamar war für viele eine Kette von Verlegungen – und hinter jeder Verlegung stand ein Mensch.
Die Opfer
Die Opfer der Nationalsozialisten in Hadamar waren keine gesichtslosen Zahlen. Sie hatten Namen, Familien, Berufe, Wünsche und ein eigenes Leben. In Hadamar wurden sie aufgrund der nationalsozialistischen Ideologie ausgegrenzt und ermordet.
10.072 Menschen wurden zwischen Januar und August 1941 in Hadamar ermordet.
Mehr als 4.400 weitere Menschen wurden zwischen 1942 und 1945 in der zweiten Mordphase getötet.
Die Opfer wurden durch Gaskammern, tödlichen Injektionen und vorsätzliches Verhungernlassen ermordet.
Diese Zahlen stehen für tausende zerstörte Leben und Familien.
Eine Stadt mit bewegter Geschichte und historischem Gebäude – Erinnern statt Vergessen

Quelle: https://www.gedenkstaette-hadamar.de/wp-content/uploads/2021/12/Luftansicht-Gedenkstaette-Hadamar_Gedenkstaette-Hadamar-1500×1000-1.jpg, Stand vom 26.09.2026.
Hadamar heute – Leben mit der Vergangenheit
In der Eingangshalle des Psychiatrischen Krankenhauses Hadamar wurde im Jahr 1953 ein Wandrelief angebracht, um an die Opfer zu erinnern.
Der Friedhof, auf dem die Toten der Jahre 1942 bis 1945 in Massengräbern liegen, wurde 1964 umgestaltet und durch den Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Pfarrer Martin Niemöller, der Öffentlichkeit übergeben. Heute erinnern ein Mahnmal und symbolische Grabsteine an die Opfer. Man weiß allerdings bis heute nicht, wohin die Asche der Menschen aus der ersten Tötungsphase gebracht wurde.
Am 18. Oktober 2023 wurde ein neues Denkmal in der Stadt eingeweiht, welches besonders an die Logistik des organisierten Mordens erinnern soll: an die grauen Busse, die tausende Menschen abholten und schließlich zur Tötungsanstalt transportierten.
Die 6 „Heilanstalten“ der NS-Zeit
- Grafeneck, Gomadingen bei Münsingen, Baden-Württemberg
- Brandenburg, Brandenburg an der Havel, Brandenburg
- Hartheim, Alkoven bei Linz, Österreich, Oberösterreich
- Pirna-Sonnenstein, Pirna, Sachsen
- Bernburg, Bernburg (Saale), Sachsen-Anhalt
- Hadamar, Hadamar bei Limburg, Hessen
Informationen zusammengestellt von Rafael Galuz, Marienschule Euskirchen
Genutzte Quellen (Stand 28.09.2026): https://www.gedenkstaette-hadamar.de, https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/euthanasia-program
Das Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof)
Das Vernichtungslager Chelmno (deutscher Name: Kulmhof) war das erste nationalsozialistische Vernichtungslager. Es stand unter der Leitung von Herbert Lange, der dort bereits mit seinem SS-Sonderkommando die „Euthanasie“-Aktion durchführte.
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen im Jahre 1941erteilt Gauleiter Arthur Greiser den Befehl, in Kulmhof am Ner (polnischer: Name Chelmno nad Nerem) das erste Vernichtungslager zu errichten. Die ersten Juden aus den umliegenden Ortschaften wurden im Dezember 1941 zum Lager gebracht, mit dem Versprechen, anschließend in ein Arbeitslager zu kommen. Unter dem Vorwand gebadet zu werden, führte man sie nackt in die Gaswagen, in denen sie durch das Zuführen von Kohlenstoffmonoxid ermordet wurden. Der Wagen fuhr die Opfer zu dem „Waldlager“, wo sie vergraben wurden.
Erst später, im Jahr 1942, wurden die Leichen wieder ausgegraben und verbrannt, um Beweise zu vernichten. 1943 wurde das Lager vorübergehend aufgelöst, bevor das „Sonderkommando Kulmhof“ zurückkehrte und den Betrieb wieder aufnahm. Ihr Auftrag war die Ermordung der restlichen Juden des Ghettos „Lodz“.
Erst am 17. Januar 1945 wurde das Lager endgültig aufgrund des Vordringens der Roten Armee verlassen. Insgesamt starben mehr als 160.000 Menschen, darunter Juden, Sinti und Roma und polnische Ordensschwestern.
Heutzutage findet man auf dem Gelände des Vernichtungslagers ein Museum und ein Denkmal, welches 1964 in Erinnerung an die Opfer erbaut wurde.
Informationen zusammengestellt von: Giuliana Annese und Emily Korte, Marienschule Euskirchen
Quellen:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/vernichtungslager-chelmno, Stand 29.09.2026
https://www.memorialmuseums.org/memorialmuseum/museum-des-ehemaligen-vernichtungslagers-in-kulmhof-am-ner, Stand 29.09.2026
Nikolaus Wachsmann, KL Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager
Biographie eines Täters: Herbert Lange
Herbert Lange wurde am 29.September 1909 in Menzlin in Vorpommern in ärmeren Verhältnissen geboren. Er zog zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in die Mönchstraße 38. Seine Jugend war von Armut geprägt und sein Vater beging um 1922 Suizid. Fast 10 Jahre später, im Jahr 1930, begann Lange sein Jurastudium, welches er jedoch nie vollendete. Bereits 2 Jahre später, am ersten Mai 1932 trat er der NSDAP bei und im August der SA, woraufhin im März 1933 sein Eintritt in die SS erfolgte. 1935 zog er nach Stettin und trat der vor Ort agierenden Gestapo bei, bei der er Kriminalhauptkommissar auf Probe wurde. Bereits drei Jahre später wurde er zum SS-Untersturmführer befördert.

Herbert Lange – Der Schöpfer des ersten Konzentrationslagers
1939, zu Kriegsbeginn, wurde Lange als Stabsleiter zusammen mit der Einsatzgruppe 6 nach Polen geschickt, um ein Arbeitslager für polnische Politiker und Intellektuelle zu errichten. Im selben Jahr begann er mit seinem Sonderkommando die Ermordung von Behinderten in den verschiedensten Krankenhäusern und Anstalten. Dies war ein experimenteller Vorgang vor der eigentlichen T4-Aktion. Lange war verantwortlich für die Vergasungen von psychisch kranken Patienten und Patientinnen und deren Abtransport. Die Leichen wurden von polnischen Häftlingen im Roznowo-Wald in einer Grube verscharrt. Das Sonderkommando bemühte sich nicht darum, eine medizinische Diagnose für die Ermordeten zu stellen. Ihr Ziel war es, möglichst schnell und möglichst effizient so viele Menschen wie möglich zu ermorden. Nach diesen Experimenten wurden bereits die ersten Vergasungswagen angefertigt, die eine noch schnellere und effizientere Ermordung ermöglichten. In ihnen wurden bis zu 60 Personen mit Kohlenmonoxid oder Autoabgasen vergast.
Am 20. April 1940 wurde Lange zum SS-Obersturmführer befördert. Zwischen dem 21. Mai und dem 8. Juni desselben Jahres ermordeten er und seine Männer 1558 Behinderte und 300 psychisch kranke polnische Patienten und Patientinnen. Für jeden ermordeten Patienten bekamen sie 10 Reichsmark. Im Oktober 1941 wurden Lange und sein Kommando nach Nowgorod in Russland geflogen, um dort russische psychisch kranke Patienten zu ‚evakuieren‘. Inzwischen wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert. Im selben Jahr errichtete er das erste Konzentrationslager in Chelmno, welches in Kulmhof umbenannt wurde.
In der Nähe stand ein Herrenhaus, in dem innerhalb von 2 Wochen insgesamt 5000 Sinti und Roma ermordet wurden. Während seiner Zeit in Chelmno wurde Lange von seinem Fahrer als ’sadistisch veranlagt‘ beschrieben. Im April 1942 wurden bereits 34000 Juden und Sinti und Roma in Kulmhof getötet. Im Juli 1944 wurde das Lager mit einer Opferanzahl von 156000 Menschen aufgelöst. Nach der Auflösung des Lagers half Lange bei der Bekämpfung von Widerstandsgruppen.
1944 wurde er zum SS-Sturmbandführer ernannt und floh mit seiner Familie aus Berlin, aus Angst vor Luftangriffen. Im April 1945, als die Rote Armee bereits vor Berlin stand, schloss Lange sich an das 3. SS-Batallion an, um Berlin gegen die Alliierten zu verteidigen. Lange verstarb offiziell am 20. April 1945 mit 21 anderen Kameraden im Kampf in Bernau bei Berlin.
Informationen zusammengestellt von Lara-Sophie Friesen, Marienschule Euskirchen
Quelle:
Andrew Willis: Herbert Lange – Stralsunds ‚vergessener‘ Mann mit einem ‚unvergesslichen‘ Leben. 2024.
„Höllenwagen“ – Massenmord durch die Grauen Busse
Um die Opfer der Euthanasie effizient zu ermorden, wurden Gaswagen entwickelt. Diese waren ordinäre Möbelwagen, jedoch war ihr Innenraum abgedichtet, sodass das Kohlenmonoxid, mit welchem die Menschen getötet wurden, nicht nach außen gelangen konnte. Als das Gas zum Ende des Krieges knapp wurde, nutzte man einen Schlauch, der vom Auspuff des Busses ins Innere reichte, um die Menschen mit den Motorabgasen zu ermorden, die während der Fahrt entstanden. In dem von außen grau und als Firmenwagen von „Kaiser-Kaffee-Geschäft“ getarnten Wagen, passten ungefähr 40 bis 60 Personen.
In den zeitgenössischen Dokumenten wurden die Busse auch „Spezialwagen“, „Sonderwagen“, „Sonderfahrzeuge“ oder „S-Wagen“ gennant. Später erhielten die Busse von den Bewohnern der Ghettos den Spitznamen „Höllenwagen“.

Informationen zusammengestellt von Giuliana Annese, Emily Korte, Marienschule Euskirchen
Quelle: https://www.stadtgeschichte-ffm.de/de/veranstaltungen/ausstellungen/138/das-denkmal-der-grauen-busse, Stand vom 30.09.2026.
Wanderausstellung „Leere Stühle – Bleibende Erinnerungen“ an der Marienschule
Mit einem eindrucksvollen und bewegenden Kunst- und Geschichtsprojekt erinnert die Marienschule Euskirchen an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Im Zentrum der interdisziplinären Wanderausstellung steht ein schiefer, mit Nägeln durchbohrter Holzstuhl als Symbol für den unwiederbringlichen Verlust von Menschenleben – insbesondere für das Schicksal von Maria Daniel, die 1941 in der NS-Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde.
Entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Regionalen Bildungsbüro des Kreises Euskirchen, den Nordeifelwerkstätten (NEW) sowie der Kreissparkasse Euskirchen. Nach der gelungenen Premiere an der Marienschule soll die Ausstellung als Nächstes nach Vogelsang IP reisen und kann für weitere Stationen angefragt werden.
Ausführliche Berichte und Hintergründe zu dem Projekt finden Sie in den folgenden Artikeln und Fotos:
































