Die Gedenkstättenfahrt der Marienschule

Die Gedenkstättenfahrt der Marienschule

Schaut man heute in die Welt, so sieht man Staatsoberhäupter, die rassistische Videos teilen, Bürger, die diskriminierende Phrasen hinausschreien und Parteien, die gegen das Erinnern aufrufen.

Wir an der Marienschule stellen uns dagegen, denn wir schauen in die Welt und möchten einen Unterschied machen, bei uns, in unserer unmittelbaren Umgebung und in der Gesellschaft. An der Marienschule schaffen wir vielfältige Angebote, die nächste Generation auf all diese Aspekte vorzubereiten und die jungen Menschen zu mündigen und verantwortungsvollen Mitmenschen zu erziehen. Eines dieser Angebote ist die Gedenkstättenfahrt der Marienschule, die sich dabei aber nicht nur auf die Schulgemeinschaft der Marienschule bezieht. An dieser Fahrt nehmen auch SchülerInnen des Emil-Fischer-Gymnasiums teil und bereiten sich gemeinsam mit den SchülerInnen der Marienschule auf die Fahrt vor.

Die erste Fahrt der Marienschule fand 2023 statt. Zwei Jahre später fuhr zum ersten Mal eine Kooperationsgruppe der Marienschule und des Emil-Fischer-Gymnasium gemeinsam nach Auschwitz und Krakau, um die Spuren des Holocaust zu sehen, auf sich wirken zu lassen und zu Zweitzeugen zu werden, also Menschen, die vor der deutschen Vergangenheit nicht die Augen verschließen, sondern damit verantwortungsvoll für die Zukunft umgehen wollen. Es geht dabei nicht darum ein Schuldgefühl zu verbreiten, sondern mit Mut, Mitgefühl und einem Miteinander das Kommende gemeinsam zu gestalten.

Eine kooperative Gruppe von 50 SchülerInnen der Marienschule und des Emil-Fischer-Gymnasiums sowie LehrerInnen und eine Begleitung der Akademie Vogelsang machten sich im Mai 2025 an einem Freitag Morgen in aller Frühe auf den Weg zunächst nach Erfurt, wo sie die Firma Topf und Söhne besuchte. An diesem Ort, der mittlerweile ein Erinnerungsort mit einer integrierten Ausstellung ist, konnte die Gruppe erfahren, dass u.a. von dort die technische Ausstattung für das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geliefert wurde. Die Bedeutung dieser Produktionsstätte wurde der Gruppe aber erst so richtig in Auschwitz selbst bewusst.

Von Erfurt aus ging es weiter nach Auschwitz, wo die Gruppe nicht nur einen Eindruck der heutigen Stadt Oswieçim bekam, sondern auch äußerst informative Führungen im Stammlager von Auschwitz und im Vernichtungslager Birkenau, das nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Die Ausmaße der Vernichtung und des Hasses der Nationalsozialisten gegenüber Menschen, die als unwürdig angesehen wurden, waren einfach nur erschreckend.

Die Gruppe hatte die Möglichkeit mit einem Zeitzeugen zu sprechen, der die Herzen der TeilnehmerInnen mit seiner persönlichen Geschichte berührte. Hier wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten darf. Nie wieder darf es zu solchen Ausmaßen der Unmenschlichkeit kommen. Dabei geht es nicht darum, den jungen Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern sie in der Verantwortung für unsere Zukunft zu stärken.

Auf der Fahrt konnten die TeilnehmerInnen aber auch die Stadt Krakau, wie sie heute pulsiert und lebt, kennenlernen und Schindlers Fabrik besuchen. Letztere war ein besonders interessanter Programmpunkt, denn die Gruppe hatte im Vorlauf zur Fahrt gemeinsam den Film „Schindlers Liste“ gesehen. Nun selbst vor Ort zu sein und einen persönlichen Eindruck der individuellen Ausstellung der Fabrik zu bekommen, war ein weiteres Highlight der Fahrt, die von den TeilnehmerInnen in ihrer Intensität durchaus als Herausforderung, aber auch als wunderbare Bereicherung, eine besondere Erfahrung wahrgenommen wir.

In der Vorbereitung auf die Fahrt selbst, vor Ort und auch in der Nachbereitung haben sich die TeilnehmerInnen vielfältig mit der Thematik des Holocaust und den Gräueltaten in Auschwitz auseinandergesetzt. Dabei sind viele, äußerst kreative Bilder, tiefgreifende Beschreibungen, emotionale Tagebucheinträge, künstlerische Stelen, um nur einige Beiträge zu nennen, entstanden, die seit dem 27. Januar 2026, dem Gedenktag der Befreiung von Auschwitz, in der Aula der Marienschule in einer Ausstellung ihre Würdigung fanden.

Die Ausstellung stand über zwei Wochen und wurde nicht nur von vielen Schülergruppen und LehrerInnen besucht, sondern auch von anderen Schulen, Eltern und interessierten Besuchern, die allesamt eine große Begeisterung für den vielfältigen und kreativen Umgang der Teilnehmergruppe mit der besonders schwierigen Thematik zeigten.

Am 9. Februar kamen Bürgermeister Sacha Reichelt und der erste Beigeordnete Alfred Jaax, sowie Eltern und TeilnehmerInnen zur „Finissage“ der Ausstellung in die Aula der Marienschule. Gemeinsam blickten sie nicht nur auf die letzten beiden Fahrten zurück, sondern betonten auch die Bedeutung einer solchen Gedenkstättenfahrt für die jungen Menschen heutzutage. Sie diene einer persönlichen Bereicherung, einer Chance, die unglaublich furchtbaren Ausmaße des Nationalsozialismus zu erkennen und sie als Mahnmal für unsere gemeinsame Zukunft zu sehen. Auf dass wir verantwortungsbewusst, freundlich und respektvoll mit uns und unseren Mitmenschen umgehen und zu Zweitzeugen werden, die die Augen vor Hass, Hetze und Rassismus nicht verschließt, sondern sich gemeinsam und einheitlich dagegenstellen.