Erinnerungsveranstaltung am 20. Mai
Mit Anne Frank für eine demokratische Zukunft die Stimme erheben!
Am 20. Mai weihte die Marienschule Euskirchen eine Informationsstele für ihre Anne-Frank-Kastanie in einem festlichen Rahmen ein.
Der wichtigste Baum im Naturgarten des Euskirchener Gymnasiums ist ein symbolischer Ableger der Kastanie vor dem Fenster des Hinterhauses in Amsterdam, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie vor der nationalsozialistischen Verfolgung versteckte – bis zu ihrer Entdeckung im Jahr 1944. Es folgte die Deportation und schlussendlich die Ermordung aller Versteckten einschließlich Annes, mit Ausnahme von ihrem Vater Otto, der posthum das Tagebuch seiner Tochter veröffentlichen ließ.
In ihrem weltberühmten Tagebuch erwähnt Anne die Kastanie, die sie aus dem Dachfenster sehen konnte und die sie an die Außenwelt erinnerte und somit etwas Hoffnung in Zeiten der Isolation schenkte.
Vor vielen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und einer ganzen Reihe von externen Gästen aus der örtlichen Gesellschaft und Politik nahm Schulleiter Michael Mombaur die Einweihung der Informationsstele zur Kastanie zum Anlass, an Annes tragisches Schicksal und ihren Charakter zu erinnern und er zeichnete Annes Bild als vielschichtiges, sensibles und emotionales Mädchen, die einen Blick für gesellschaftliche Mechanismen und den Menschen gehabt habe. Das pubertierende „Energiebündel“ habe mit Klarheit, Klugheit und Herz erkannt, dass der Mensch seine Geschicke im Kleinen ändern und verbessern könne, er müsse nur einfach anfangen, sich abends zu überlegen, was er morgen besser machen könne. Mit einem solchen moralischen Kompass und ihren Talenten und ihrem Ehrgeiz wollte Anne die Welt mit ihren Worten berühren – und wurde dann jäh von der Nazi-Barbarei aus dem Leben gerissen.
Doch ihre Stimme und ihre Worte berührten und berühren die Welt dann doch bis heute und diese zentrale Frage des Menschseins sei nun Aufgabe für uns heute und möge Handlungsmaxime sein, so Mombaur: „Jeder kann die Welt etwas heller, etwas besser machen. Fangen wir damit an. Heute.“
Die Botschaft, dass es auf jede und jeden ankomme, demokratische Werte zu leben, sie wertzuschätzen und zu verteidigen, standen auch im Kern der Grußworte von Bürgermeister Sacha Reichelt und Karl-Heinz Daniel von der Kreissparkasse Euskirchen, die das Projekt großzügig unterstützt hatte.
Herr Reichelt appellierte an die jungen Menschen, sich aktiv für eine demokratische und humane Gesellschaft einzusetzen, die man als Geschenk verstehen solle, das man sich verdienen müsse. „Wir müssen unsere Freiheiten, für die viele Menschen gekämpft haben und manche sogar gestorben sind, jeden Tag aufs Neue verteidigen.“ Und er appellierte an die Schülerinnen und Schüler: „Dabei setzen wir besonders auf euch. Denn ihr seid diejenigen, die irgendwann mal die Regeln machen.“ Dafür benötige es vor allem viel Herz und Menschlichkeit, so wie Anne Frank geschrieben habe.
Diese wichtige Botschaft unterstrich auch Herr Daniel, der hofft, dass mit dem Wachsen der Kastanie auch „das Bewusstsein für Toleranz und Menschlichkeit gestärkt“ werden möge.
Allen war es somit ein Anliegen, dass durch das wichtige Erinnern an eine furchtbare Vergangenheit, die noch gar nicht so lange zurück liegt, der Mut wächst, sich für eine menschliche Zukunft mit Frieden und Freiheit einzusetzen, gerade in Zeiten, die schwieriger zu werden und in denen die nationalistischen, dumpfen und ausgrenzenden Parolen lauter zu werden scheinen. „Die Kastanie möge ein Mahnmal sein – insbesondere für das, was wir selbst gestalten können.“, so Daniel.
Emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung war ganz in diesem Sinne der berührende Beitrag der Lehrerin Elke Höver mit einigen Schülerinnen, die Auszüge aus dem Tagebuch Annes vorlasen, die fast genau vor 75 Jahren von Anne, kurz vor ihrer Verhaftung, geschrieben worden waren.
Nach einem ebenfalls hochklassigen Beitrag der Schulchöre unter der Leitung von Barbara Luke legten Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen bunt bemalte Steine ab, die für Vielfalt, Erinnerung und Zusammenhalt stehen.
Noch lange diskutierte man bei einem abschließenden gemeinschaftlichen Ausklang über Anne, den Einsatz für Demokratie und die Hoffnung, dass solche Veranstaltungen inspirierend sein mögen gerade für junge Menschen.
Ein besonderer Baum – die Anne-Frank-Kastanie
Am 13.05.2023 wurde hier an der MSE der neue Naturgarten und gleichzeitig auch die dort gepflanzte Anne-Frank-Kastanie eingeweiht.
Am 13. Mai 1944, also genau 79 Jahre zuvor schrieb Anne Frank in ihrem Amsterdamer Versteck wie seit fast zwei Jahren, in denen die Familie untergetaucht war, Folgendes in ihr Tagebuch.
„Gestern hatte Vater Geburtstag und Vater und Mutter waren 19 Jahre verheiratet […] und die Sonne schien, wie sie 1944 noch nie geschienen hat. Unser Kastanienbaum steht von unten bis oben in voller Blüte und ist viel schöner als im vergangenen Jahr.“ [aus: Anne Frank Tagebuch, Fassung von O.H. Frank und M. Pressler (aus dem Niederl. Von M. Pressler). Frankfurt 2009 (14. Aufl.), S. 279]
Der 13. Mai war auch damals ein Samstag. Mit diesem Gedenkbaums wollen wir an der MSE an Anne Frank und ihre Gedanken erinnern.
Ein besonderer Mensch – Anne Frank
Für die Leser/innen, die Anne nicht kennen, haben wir hier einige Textpassagen aus ihrem berühmten Tagebuch ausgewählt. Besser als Anne selbst, kann wohl niemand dieses besondere Mädchen vorstellen. Die Texte im folgenden Abschnitt stammen aus ihrem mittlerweile weltberühmten Tagebuch [Anne Frank Tagebuch, Fassung von O.H. Frank und M. Pressler (aus dem Niederl. Von M. Pressler), Frankfurt 2009 14. Aufl.].
Auszüge
Die folgenden Texte stammen aus ihrem mittlerweile weltberühmten Tagebuch [Anne Frank Tagebuch, Fassung von O.H. Frank und M. Pressler (aus dem Niederl. Von M. Pressler). Frankfurt 2009 (14. Aufl. ] :
„23. Februar 1944
Seit gestern ist draußen herrliches Wetter, und ich bin vollkommen aufgekratzt. […] Wir betrachten den blauen Himmel, den kahlen Kastanienbaum, an dessen Zweigen kleine Tropfen glitzerten, die Möwen und die anderen Vögel, die im Tiefflug wie aus Silber aussahen. Das alles rührte und packte uns beide so, dass wir nicht mehr sprechen konnten. […] Wir atmeten in die Luft ein, schauten hinaus und fühlten, dass dies nicht mit Worten unterbrochen werden durfte. […] …ich schaute auch aus dem offenen Fenster über ein großes Stück Amsterdam, über alle Dächer, bis an den Horizont, der so hellblau war, dass man ihn kaum sehen konnte. „Solange es das noch gibt“, dachte ich, „und ich es erleben darf, diesen Sonnenschein, diesen Himmel, an dem keine Wolke ist, so lange kann ich nicht traurig sein.“
Für jeden, der Angst hat, einsam oder unglücklich ist, ist es bestimmt das beste Mittel, hinaus zu gehen, irgendwo hin, wo er ganz allein ist, allein mit dem Himmel, der Natur und Gott.“ (S. 192f)
„18. April 1944
[…] Gestern sind Peter und ich endlich zu unserem Gespräch gekommen. […] Der Abend endete mit einem Kuss, ein bisschen neben dem Mund. Es war wirklich ein tolles Gefühl! […]
Wir haben nach unserem unbeständigen Winter wieder ein prachtvolles Frühjahr. Der April ist tatsächlich wunderbar, nicht zu warm und nicht zu kalt und ab und zu ein kleiner Regenschauer. Unsere Kastanie ist schon ziemlich grün, und hier und da sieht man sogar schon kleine Kerzen. […]“ (S. 254f)
Ein tragisches Ende
Am 4. August 1944 verhaftete die SS und mindestens drei holländische Helfer von der sog. „Grünen Polizei“ die Familie Frank und die weiteren 4 Untergetauchten aus dem Hinterhaus und nahmen alle Wertsachen und Geld an sich. Man geht davon aus, dass das Versteck nach über zwei Jahren verraten wurde. Die Familie Frank wurde in das niederländische Judendurchgangslager Westerbork überführt.
Mit dem letzten Transport, der von dort in die Vernichtungslager im Osten ging, wurden sie am 3. September 1944 deportiert und erreichten nach drei Tagen Ausschwitz in Polen.
Annes Mutter Edith Frank starb am 6. Januar 1945 im Frauenlager Ausschwitz-Birkenau an Hunger und Erschöpfung.
Anne und ihre Schwester Margot wurden Ende Oktober 1944 mit einem so genannten Evakuierungstransport in das KZ Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide deportiert. Als Folge der katastrophalen hygienischen Zustände brach dort im Winter 1944-45 eine Typhusepidemie aus, der Tausende der Häftlinge zum Opfer fielen; darunter waren auch Margot und wenige Tage später Anne Frank. Ihr Todesdatum muss zwischen Ende Februar und Anfang März 1945 liegen.
Die Leichen der beiden Mädchen liegen wahrscheinlich in den Massengräbern von Bergen-Belsen.
Im April 1945 wurde das Konzentrationslager von englischen Truppen befreit.
Otto Frank überlebte als einziger der acht Untergetauchten die Konzentrationslager. […] Bis zu seinem Tod am 19. August 1980 lebte Otto Frank in Birsfelden bei Basel und widmete sich dem Tagebuch seiner Tochter Anne und der Verbreitung der darin enthaltenen Botschaft.
[vgl. Anne Frank Tagebuch, Fassung von O.H. Frank und M. Pressler (aus dem Niederl. Von M. Pressler). Frankfurt 2009 (14. Aufl.), S. 315f“]
Vier Schülerinnen berichten vom „Anne-Frank-Baum-Projekt“ im Schuljahr 2022-23
Am 07. Mai 2023 haben wir an einer Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof in Kommern teilgenommen. Die Veranstaltung sollte an die Gräueltaten des NS-Regimes erinnern, damit so etwas nie wieder passiert. Während dort ein Anne-Frank-Erinnerungsbaum eingeweiht wurde, haben wir vier mehrere Auszüge aus ihrem berühmten Tagebuch vorgelesen. Ziel war es, Annes Gefühle in Bezug auf den Kastanienbaum im Hinterhof des Verstecks in Amsterdam zu verdeutlichen, da der Anne-Frank-Baum in Kommern ein Ableger dieses Baums ist. Im Anschluss haben wir Steine mit den Namen von deportierten und ermordeten jüdischen Kindern aus Kommern neben dem Baum niedergelegt.
Eine Woche später fand in der Marienschule Euskirchen die Einweihung unseres Schulgartens statt, bei der ein weiterer Ableger der Anne-Frank-Kastanie gepflanzt wurde. Auch diesmal trugen wir wieder Auszüge aus ihrem Tagebuch vor und versuchten damit, die Zuhörer/innen an die Situation von Juden während der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. Am Ende der Veranstaltung wurde ein Stein mit dem Namen von Anne Frank neben den Baum gelegt.
Wir alle haben an dem Projekt teilgenommen, weil es uns wichtig ist, dass so etwas wie der Holocaust nie wieder (in Deutschland) passiert und möglichst viele Menschen daran erinnert werden. Wir denken, dass Veranstaltungen wie diese dabei helfen, die Schrecken der damaligen Zeit in den Köpfen der Menschen wachzurufen und dafür zu sorgen, dass wir alle versuchen, unsere Demokratie zu schützen. Wir hoffen, dass auch in Zukunft solche Projekte organisiert werden und wir ein Teil davon sein können.
Alexandra, Elisabeth, Laura und Magali (Schülerinnen der 10b, 2022-23)









