Rundbrief vom 30. Januar 2026 (Gedenken an die Opfer des Holocaust)

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen sowie Unterstützerinnen und Freunde der Schule,
an dieser Stelle möchte ich eine Durchsage vom 27. Januar 2026 anlässlich des internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust in der Schule aufgreifen und noch einmal formulieren, wie wichtig ich es finde, dass wir alle uns in unserer Schulgemeinschaft und in unseren kleinen Wirkungskreisen für eine Gesellschaft einsetzen, in der die Würde des Menschen an oberster Stelle steht.
Eine solche ist weit von Beliebigkeit entfernt, im Gegenteil – Menschlichkeit ist eine Frage einer klaren Haltung.
Haltung haben sicherlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezeigt, die bei der letzten Gedenkstättenfahrt nach Polen die furchtbaren Orte Auschwitz und Auschwitz-Birkenau besuchten.
Eine kleine, sehr persönliche, künstlerische und informative Ausstellung als Spiegel der Fahrt ist zurzeit in der Aula der Schule zu besichtigen, auch für Eltern oder Geschwister nach Voranmeldung im Sekretariat oder gerne auch am kommenden Montag während der Zeugniskonferenzen ab 14.00 Uhr.
Eine abschließende Finissage mit unserem Bürgermeister und den Unterstützerinnen und Unterstützern ist für den 9. Februar um 12:45 Uhr geplant, zu der alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fahrt, ihre Eltern und alle Interessierte herzlich eingeladen sind.
Am 10. Februar wird die Ausstellung dann abgebaut – und die kommende (freiwillige) Fahrt nach Polen für die Oberstufe wird dann geplant.
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende!
Ihr und euer Michael Mombaur
Die Durchsage:
„Etwas mehr als 70.000 deutsche SchülerInnen, von insgesamt über 2 Millionen Gästen aus allen Ländern der Welt, besuchen jährlich das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz in Polen.
Hunderttausende Schülerinnen und Schüler reisen zudem in deutsche Konzentrationslager, wie es sie so viele gibt.
In Auschwitz alleine litten und starben über eine Millionen Männer, Frauen und Kinder, weil es die deutschen Nazis in ihrem ideologischen Wahnsinn so wollten; insgesamt starben viele, viele Millionen Menschen in diesen Lagern oder wurden auf Feldern und in Schluchten und Wäldern hingerichtet. Aus Verblendung, aus Machtgier und Größenwahn.
Diese Opfer sollte man nicht vergessen, denn ein Vergessen wäre ein zweiter Mord, sagte der Überlebende Elie Wiesel und so ist jeder Besuch, jede Auseinandersetzung von hohem moralischen Wert.
Auch wir organisieren im Rahmen unserer Klassen- und Studienfahrten oder durch Veranstaltungen in der MSE in diesem Sinne solche Bildungsangebote, die sicher nie ganz einfach sind, erinnern sie doch daran, was Menschen anderen Menschen antun können. Sie vermitteln, wie fragil und dünn das zivilisatorische Kleid des Menschen ist, wie schnell Hass und Niedertracht jeden Anstand und jede Moral vergessen lassen können.
Ich danke am heutigen Tag, dem Holocaustgedenktag, der an die Befreiung des furchtbaren Mordortes am 27. Januar 1945 erinnert und einlädt, insgesamt an alle Opfer des Nationalsozialismus und von Unrechtssystemen zu denken, allen Lehrerinnen und Lehrern, die solche Fahrten organisieren oder in ihrem Unterricht, dort wo es passt, an das Leid der Verfolgten und Gedemütigten erinnern.
Ich danke allen Lehrkräften, die in ihrem unterrichtlichen Tun und Ihrer Haltung für ein demokratisches, friedliches und menschliches Miteinander eintreten, in dem eben an oberster Stelle die Würde des Menschen steht.
Und ich danke den Schülerinnen und Schülern, die diese schwierigen Angebote auf den Fahrten oder im Unterricht mit offenem Herzen annehmen, die sich auch schwierigen Momenten stellen oder sich schulisch wie privat einmischen, wenn manche meinen, andere herabwürdigen und angreifen zu müssen. Da fängt es nämlich an mit der Haltung und dem Menschsein.
Jede und jeder von uns kann im Klassenraum, auf dem Pausenhof und dem Heimweg oder bei der Benutzung seiner sog. sozialen Plattformen für Menschlichkeit und Anstand eintreten. Wir haben die Wahl, ob wir helfen, wegsehen oder anderen wehtun möchten, es liegt an uns.
In der Aula ist eine kleine Ausstellung aufgebaut worden von Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer letzten Fahrt nach Auschwitz, die sich Klassen und Kurse in Begleitung von Lehrern anschauen könnten, danke dafür.
Für alle, gerade für unsere jüngeren Menschen in der Marienschule sei heute auch was Positives gesagt: Heute begehen wir den Tag der Befreiung und dies ist damit auch ein Tag des Sieges des Guten über das Böse. Das kann man schaffen, tragen wir dazu bei.“
Durchsage Ende – und danke an alle Eltern, die bei einer Erziehung zu dieser freiheitlichen und demokratischen Bildung mitmachen, die unterstützen und den Kindern Raum zur Entfaltung in diesem Sinne geben.
Michael Mombaur
