Manege frei für das Subjekt Woyzeck!
Theater-AG zeigt Büchners Drama als schrilles Panoptikum
Euskirchen.
Stich, Woyzeck, stich tot! Wie soll man da nicht
hinhören, wenn die Stimme dauernd und immer wieder denselben Satz ruft?
Stich tot, Woyzeck! Wenn einem das ganze Leben unter den Füßen
wegbricht? Wenn man arbeitet und arbeitet und sich abhetzt, um sein Kind
zu ernähren, aber nichts als Fußtritte erntet? Bis man am Ende eben
tut, was die Stimmen im Kopf befehlen!
Schwere Kost, an die sich die Theater-AG der
Marienschule unter der Regie von Jürgen Bönsch da heranwagt. Die
Geschichte des Franz Woyzeck, der sich als Versuchskaninchen für
pseudomedizinische Experimente benutzen lässt, der wie ein Fußabtreter
geschunden wird, ehe ihm die Sicherungen durchbrennen, weil die
Gesellschaft über einen wie ihn einfach hinweggeht.
Es ist ein schrilles Personenpanoptikum, das
Büchner in seinem Stück entworfen hat. Alle sind irgendwie durchgeknallt
und selbstfixiert. Für Halt, Ehrlichkeit, Liebe ist in dieser Welt kein
Platz. Wie in einer Manege werden die Menschen vorgeführt, allen voran
Woyzeck, der von seiner Marie ausgenutzt und betrogen wird. Mit dem
Tambourmajor! Stich tot, Woyzeck!
Die Inszenierung versucht, in Woyzecks Kopf
einzusteigen, die Stimmen hörbar zu machen, die ihn quälen und
verfolgen. Das Publikum steigt schließlich ein in Woyzecks Manege.
Die Bühne steht in der Mitte, die Zuschauer sitzen im Kreis um die enge
Fläche herum. So entsteht eine fast bedrückende Nähe zum Geschehen, der
man sich nicht entziehen kann und die den jungen Schauspielern eine
Menge Mut abverlangt.
Am 04., 05. und 11. Mai öffnet die Manege in der
Marienschule um 19.30 Uhr ihre Tore. Hereinspaziert! Sehen Sie,
bestaunen Sie die geschundene Kreatur, das Subjekt Woyzeck!
Karten (6/4 €) gibt es im Sekretariat der Marienschule und an der
Abendkasse.
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