Soziales Lernen

Allgemeine Informationen

Schulische Lernprozesse sind ganz unzertrennbar eingebettet in soziale Erfahrungen. Soziales Lernen findet also immer statt, selbst wenn man diesen Sachverhalt ignoriert und den Prozess nicht bewusst gestaltet. Die Frage ist dann allerdings, welche sozialen Erfahrungen Schüler machen.

(Marianne Horstkemper)

Oder anders ausgedrückt:

Es ist schon wahr: nichts wirkt so rasch wie Gift!
Der Mensch, und sei er noch so minderjährig,
ist, was die Laster dieser Welt betrifft,
früh bei der Hand und unerhört gelehrig.

(Erich Kästner – Die Ballade vom Nachahmungstrieb)

Der inzwischen allgemein etablierte Begriff „Soziales Lernen“ beschreibt viele Aktivitäten, Projekte, Unterrichtsbestandteile usw., die an der Marienschule schon seit längerer Zeit erfolgreich angeboten werden. Ziel ist es, eine klare Orientierung für das Verhalten des Einzelnen in der Gemeinschaft zu geben. Wir unterstützen in diesem Sinne als Schule gemeinsam mit den Eltern die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung von Kritikfähigkeit und Selbstreflexion.

Die Bandbreite reicht dabei von sportlichen Aktivitäten, AG-Angeboten, Elementen der Unterrichtsgestaltung, dem Arbeitskreis „Soziales Lernern“, der Arbeit der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer bis hin zu dem ausgewiesenen Fach „Soziales Lernen“ in der Unterstufe. Auch der Schüler-Eltern-Lehrerarbeitskreis stärkt das Prinzip des Sozialen Lernens. Das Beratungslehrerkonzept, aber auch etwa die Besinnungstage dienen wie die Schulsozialarbeit dem Ziel, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

Wir stärken das Interesse an und die Befähigung zu gesellschaftspolitischem Handeln, indem wir etwa eine Schulpartnerschaft mit der Grundschule Sékouantou/Piela unterhalten oder regelmäßig öffentliche Veranstaltungen wie Vorträge, Symposien und Diskussionen zu gesellschaftlich relevanten Themen abhalten. Auch die Lernpartnerschaft zwischen Marienschule, AOK und Max-Ernst-Schule schärft hier den Blick. Das Projekt „Starke Kinder“ rundet dieses Angebot ab.

Im weiteren Verlauf sollen einige Aspekte des Themenbereichs eingehender erläutert werden.

Das Unterrichtsfach „Soziales Lernen“

In Kombination mit dem Fach Politik bietet die Marienschule in der Jahrgangsstufe 5 das Fach „Soziales Lernen“ an. Hier sollen im Sinne der bisherigen Ausführungen durch (Gruppen-) Übungen die persönlichen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen junger Menschen gefördert werden. Die Unterrichtsstunden sind in Anlehnung an das Lions-Quest-Konzept „Erwachen Werden“ gestaltet und werden von Lehrerinnen und Lehrern mit entsprechender Fortbildung durchgeführt.
Themenbereiche sind hierbei u.a.:

  • Die Position des Einzelnen in der Gruppe
  • Verhaltensregeln in der Gruppe
  • Aufbauendes Verhalten zur Stärkung des Miteinanders
  • Stärkung des Selbstvertrauens
  • Stärkung der Fähigkeit des Zuhörens
  • Übernahme von Verantwortung
  • Umgang mit Wut und Ärger
  • Wert von Freundschaft
  • Verhinderung von Mobbing
  • Uvm.

Der Klassenrat

Der Klassenrat fördert demokratisches Miteinander und Partizipation in der Institution Schule. Er ist das demokratische Forum einer Klasse. In den wöchentlichen Sitzungen beraten, diskutieren und entscheiden die Schülerinnen und Schüler über selbstgewählte Themen: über die Gestaltung und Organisation des Lernens und Zusammenlebens in Klasse und Schule, über aktuelle Probleme und Konflikte, über gemeinsame Planungen und Aktivitäten. Die Vergabe fester Rollen mit klaren Rechten, Anforderungen und Pflichten trägt entscheidend zum Gelingen des Klassenrats bei. Der klar strukturierte Ablauf bildet ein Gerüst für Diskussionen und Entscheidungsprozesse – so erleichtert er den Schülerinnen und Schülern, sich auf die Inhalte der gemeinsamen Diskussionen zu konzentrieren.

Im Klassenrat gestalten die Schülerinnen und Schüler einer Klasse ihr Zusammenleben: Sie diskutieren und entscheiden über ihre Anliegen, sie planen Aktivitäten und setzen sie um, sie streiten und vertragen sich. Was sonst in jeder Klasse nebenbei abläuft, findet im Klassenrat seinen festen Platz. So führt der Klassenrat zu einem bewussteren Zusammenleben, fördert die Gemeinschaft der Klasse und schafft ein positives Lernklima.

Im Klassenrat trainieren die Schülerinnen und Schüler ihre Kommunikationsfähigkeiten und erwerben Sozialkompetenzen: Aktiv zuhören. Frei vor anderen sprechen. Fair miteinander diskutieren. Sich eine eigene Meinung bilden und sie vertreten. Verantwortung für sich und andere übernehmen. Perspektiven wechseln. Aufgaben gerecht werden. Demokratische Entscheidungen mittragen. So lernen die Schülerinnen und Schüler im Klassenrat für ihr ganzes Leben.

Der Klassenrat wird an unserer Schule in den Klassenstufen sechs bis acht durchgeführt. Im sechsten Schuljahr wird die Methode gelernt und eingeübt, ab dem siebten Schuljahr können Klassenratsstunden durch Übungen aus dem Bereich Soziales Lernen ergänzt werden, falls keine relevanten Themen anstehen oder dies der Klasse oder den Lehrerinnen und Lehrern; aber auch den Eltern sinnvoll bzw. notwendig erscheint. Wir leiten im Klassenrat die Schülerinnen und Schüler an, Verantwortung zu übernehmen und für ihr Handeln einzustehen. (In Anlehnung an www.derklassenrat.de)

Im Zuge einer ersten Evaluation des Klassenrates wurden folgende Aspekte seitens der Kolleginnen und Kollegen als wesentlich erachtet:

  • Schüler betreiben die Stunde mit großer Ernsthaftigkeit
  • Themenvielfalt ist sehr groß
  • Als Forum für Schülerthemen gerade im Ganztag wichtig
    -Aspekte für Schüler wichtig, die Lehrern nebensächlich erscheinen
  • Ideenpool für sonst unberücksichtigte Dinge
  • Akzeptanz bei Schülern und Eltern sehr hoch
  • Zunehmende Problemlösungskompetenz bei Schülern
  • Einübung von demokratischen Verhaltensregeln und Teilhabe
  • Einordnung des Lehrers in die Gemeinschaft kommt gut an
  • Klassenangelegenheiten werden souverän besprochen und gelöst
  • Selbständigkeit der Schüler wird gestärkt
  • Regelmäßigkeit/Ritualisierung führt zu Zunahme der Qualität
  • Schult Disziplin und Selbstorganisation
  • Protokolle und Wahlen stärken die Transparenz
  • Wöchentliche Durchführung gewährt Zeitnähe

Die Streitschlichter

Streitschlichter/innen („Konfliktlotsen“) sind Schülerinnen und Schüler, „die ein Maß an Handlungswissen erworben haben, mit dem sie Konfliktparteien helfen, die Untiefen, die Sandbänke und Strudel auf dem Weg zur Konfliktlösung zu umschiffen“

(O. Hagedorn)

Streitschlichtungsprogramme sind auch unter dem Namen „Mediation“ bekannt. Streitschlichtung ist ein Verfahren der Konfliktlösung. Im Kern geht es dabei um Vermittlung in Streitfällen durch unparteiische Dritte, die von allen Konfliktparteien akzeptiert werden. Die vermittelnden Streitschlichter/innen helfen also Streitenden, eine einvernehmliche Lösung ihrer Probleme zu finden. Aufgabe der Streitschlichter/innen ist es nicht, ein Urteil oder einen Schiedsspruch zu fällen. Die Konfliktparteien selbst sind aufgefordert, eine Problemlösung zu erarbeiten. Dabei helfen Streitschlichter/innen durch ihre Kenntnisse im Umgang mit Konflikten und dem Streitschlichtungsverfahren selbst.

Grundsätzlich steht in der Anfangsphase bei diesen Programmen die Vorbereitung von interessierten Schüler/innen auf die Rolle als Streitschlichter/innen im Mittelpunkt. Die dann ausgebildeten Schüler/innen bilden zusammen mit unterstützenden Lehrer/innen eine Gruppe von Streitschlichter/innen. Deren Mitglieder führen dann das Streitschlichtungsverfahren in Konflikten zwischen Schüler/innen durch. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die Schüler/innen dies auch wollen. Und es gibt auch Grenzen des Verfahrens: Beispielsweise kann bei Verstößen gegen Gesetze eine Streitschlichtung in der Regel nicht durchgeführt werden.

Ziele der Streitschlichtung

Konflikte sind normal. Ungelöste Konflikte führen zu Ausgrenzungen, Gewalt und Verzweiflung der Betroffenen. Schulmediation ermöglicht die Verbesserung der Schulkultur und vermindert Spannungen und Feindseligkeit.

Die Kinder und Jugendlichen

  • lernen ihre Konflikte eigenverantwortlich und kreativ zu lösen
  • entwickeln einen stärkeren Sinn für Zusammenarbeit und übernehmen Verantwortung für die Klasse, die Schule und ihre Umgebung
  • verbessern die Beziehungen untereinander
  • bauen Selbstachtung auf
  • steigern die Schülermitwirkung und fördern die Fähigkeiten, Gespräche zu leiten
  • nehmen unterschiedliche Werte und Haltungen wahr und respektieren sie
  • erkennen, dass Konflikte normal sind und lernen, dass sie gewaltfrei gelöst werden können
  • sehen, dass es für jeden Konflikt mehrere mögliche Lösungen gibt.

An unserer Schule hat die Streitschlichter-AG bereits eine lange Tradition und wird selbstverständlich von Schülerinnen und Schülern in Anspruch genommen.

AG-Angebot

Wir erziehen zu kultureller Aufgeschlossenheit. Die Marienschule bietet ein vielfältiges AG-Angebot, das auch der Unterstützung des Sozialen Lernens dient. Hierbei steht Teamorientierung an erster Stelle. Ob eine Schülerin, ein Schüler sich in eine der vielen Bands einbringt, gemeinsam mit anderen kocht, im Chor singt, bei den Streitschlichtern aktiv ist oder eine Rolle bei einer Theater-Produktion übernimmt, immer steht auch das Soziale Lernen im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung im Fokus.

AG Streitschlichter

Leitung: Frau Gutknecht / Frau Baumgärtner

Zielgruppe: ab Klasse 7

Ort: Streitschlichterraum (0.30)

Tage / Zeiten: Montag, Mittwoch, Donnerstag in der 7. Stunde im Streitschlichterraum

Im Schulalltag gibt es hin und wieder auch mal Konflikte zwischen den Schülerinnen und Schülern. Das Streitschlichter-Team ist für diese Fälle ausgebildet und hilft gerne, die Konflikte zu schlichten.

Qualifizierte und gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler beherrschen die Streitschlichtung nach dem Bensberger Mediationsmodell und sind an mehreren Tagen in der Woche (Montag, Dienstag, Donnerstag in der 7. Stunde) bereit, ihren Mitschülern und Mitschülerinnen bei Streitigkeiten zu helfen.  Dazu steht mit dem Streitschlichterraum ein eigener Raum zur Verfügung, in dem diese Konflikte in Ruhe geklärt werden können.

Die Streitschlichter-AG bietet …

… eine qualifizierte Mediationsausbildung und das Erlernen bestimmter Gesprächsstrategien
… die Möglichkeit, Gelerntes praktisch anzuwenden.
… die Chance, das Schulklima positiv mitzugestalten.
… Fähigkeiten und Erfahrungen, die auch im weiteren Leben wichtig und hilfreich sein können.

Wer kann in der Streitschlichter-AG mitmachen?

Mitmachen können Schülerinnen und Schüler …
… ab dem zweiten Halbjahr der 7. Klasse.
…, die bereit sind, im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen

Organisation

Wir treffen uns an einem festen Termin einmal in der Woche für eine Schulstunde. Dabei werden folgende Aspekte besprochen oder bearbeitet:

  • Organisatorisches (Aufstellung und Überarbeitung von Dienstplänen, Ausbildung, …)
  • Praktische Übungen und Wiederholen des Schlichtergesprächs
  • Reflexion der Schlichtungen (anonymisiert)

Schulsozialarbeit ist ein Angebot der Jugendhilfe an der Marienschule

Euskirchen - Einfach wohl fuehlen

Pommer-Schmitt

Name: Svenja Pommer-Schmitt

Beruf: Diplom Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin

Tel.: 01573 – 7520562

Email: svenja.pommer-schmitt@kreis-euskirchen.de

Raum: Neubau Raum 0.13

Sprechzeiten: Montag bis Donnerstag von ca. 8.15 Uhr bis 13.15 Uhr

Mein Beratungsangebot gilt für Schüler und Schülerinnen:

  • bei Konflikten mit Mitschülern und Mitschülerinnen
  • bei Problemen in der Familie
  • bei Schwierigkeiten in der Schule
  • wenn du mal jemanden zum Reden brauchst

Mein Beratungsangebot gilt für Eltern und Erziehungsberechtigte:

  • bei schulischen Problemen ihres Kindes
  • bei Elterngesprächen
  • bei Erziehungsschwierigkeiten zu Hause
  • bei allgemeinen sozialen Problemen
  • bei der Inanspruchnahme sonstiger Hilfen (Jugendamt, Erziehungsberatung etc.)
  • bei der Antragstellung für das Bildungs- und Teilhabepaket

Ziel ist es, wenn alle einverstanden sind, gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen, Eltern und dem beteiligten Umfeld, passende Lösungen zu erarbeiten.

Ich biete außerdem soziale Gruppenarbeit in den Klassen zur Verbesserung des Klassenklimas und zur Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen an. In Kooperation mit der Kriminalpolizei biete ich Elterninformationsveranstaltungen zum Thema Neue Medien an.

Schulsozialarbeit ist grundsätzlich freiwillig und unterliegt der Schweigepflicht.

Konzept für Schulsozialarbeit der Abt. Jugend und Familie