„Mein Leitbegriff ist die Neugier“ – Interview mit Schulleiter Michael Mombaur

Herr Mombaur, die Marienschülerinnen und -schüler sind gerade erst aus den Sommerferien zurück, Sie haben in den letzten Wochen schon einiges an Zeit an Ihrer neuen Schule verbracht – was haben Sie in den restlichen Sommerferien gemacht?

Meine beiden Kinder sind große Bauernhoffans und wir haben jetzt schon den dritten Urlaub hintereinander auf einem Bauernhof verbracht – diesmal in Thüringen in der Nähe von Weimar, weil mich diese Stadt immer wieder beeindruckt. Es war also ein Urlaub zwischen Tieren, Schiller und Goethe. Allerdings nur eine Woche lang, ansonsten lag die Konzentration schon voll auf der Marienschule.

 

Was ist Ihnen aus Ihrer eigenen Schulzeit noch in besonderer Erinnerung geblieben?

 Ich war Schüler auf dem Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach und habe viele positive Erinnerungen daran, vor allem an meine Oberstufenzeit. Die Schule war von einem großen Gemeinschaftssinn getragen, was mir ein allgemeines Grundvertrauen in Schule vermittelt hat.

 

Sie waren stellvertretender Schulleiter am Gymnasium St. Michael in Bad Münstereifel. Warum haben Sie sich entschlossen, sich als unser neuer Schulleiter zu bewerben? 

Ich liebe es, Schule mit allen wichtigen Partnern, den Eltern, Schülerinnen und Schülern, sowie im besonderen Maße mit den Kolleginnen und Kollegen zu gestalten und zu einem Ort zu machen, an dem man gerne lehrt und lernt – und eben auch lebt! Denn man muss sich auch angenommen und respektiert fühlen, um gut zu lernen und Leistung zeigen zu können. Und mein erster Eindruck ist, dass ich hier schon ganz viel von dem finde, was mir in dieser Beziehung wichtig ist.

Wenn man sich mit der Marienschule beschäftigt, merkt man schnell, dass es hier viel Leidenschaft und Energie gibt. Schon auf der Homepage sieht man, dass hier sehr viel für die Schülerinnen und Schüler angeboten wird und es folglich auch Lehrerinnen und Lehrer gibt, die diese Angebote machen. Wenn Menschen leidenschaftlich das tun, was sie tun, zieht mich das an.

Junge Menschen kann man begeistern und wenn es einer Schule wie der Marienschule gelingt, deren Potentiale zu wecken, sieht man, dass der Lehrberuf der schönste ist, den es gibt.

 

Wo sehen Sie Unterschiede zu Ihrem bisherigen Gymnasium St. Michael? 

Das St. Michael-Gymnasium hat einen ausgeprägten naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. An der Marienschule gibt es den sprachlichen Schwerpunkt und die besondere Ausrichtung auf die Musik. Aber auch der naturwissenschaftliche Schwerpunkt ist hier gegeben und ich würde mit den Erfahrungen aus Bad Münstereifel gerne dazu beitragen, diesen noch auszubauen.

Auch der Ganztag ist ein großer Unterschied und ich habe den Eindruck, dass es dadurch noch mehr Möglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler gibt. Hier ist also erst einmal gefühlt „mehr los“ und ich bin gespannt darauf, das alles kennenzulernen.

Toll wäre, wenn die Schulgemeinschaft, das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, hier ähnlich wäre wie in Bad Münstereifel. Aber nach meinem ersten Eindruck bin ich da guter Dinge.

 

Ihr erster Eindruck ist ein gutes Stichwort: Ein bisschen näher haben Sie die Marienschule ja schon kennengelernt, seitdem klar ist, dass Sie die Nachfolge von Herrn Antwerpen antreten werden. Wie erleben Sie Ihre neue Schule bislang?

Ich war in den letzten Wochen ziemlich damit beschäftigt, Büros aus-, um- und einzuräumen und Strukturen kennenzulernen. Jetzt freue mich aber sehr, die Menschen kennenzulernen. Einige Kolleginnen und Kollegen, die Sekretärinnen und Hausmeister habe ich schon getroffen, täglich kommen neue Begegnungen hinzu. Es ist mir aufgefallen, dass die Menschen hier sehr positiv und offen über die Marienschule sprechen, für sie ist es „unsere Schule“. Das bestärkt mich in der Annahme, den richtigen Schritt getan zu haben.

 

Welche Erwartungen haben Sie an Ihr erstes Schuljahr an der Marienschule?

Mein Leitbegriff ist die Neugier, ich bin wirklich neugierig auf diese Schule. Ich freue mich sehr auf die nächste Zeit und werde bestimmt auch mal nerven, weil ich jetzt überall mal spinksen möchte und so möglichst schnell 1100 Marienschülerinnen und -schüler, Lehrerinnen und Lehrer kennenlernen will. Mein Ziel ist es erst einmal, ein Gespür für diese Schule zu entwickeln und sagen zu dürfen: Ich bin angekommen.

 

Wo wollen Sie in Zukunft an der Marienschule Schwerpunkte setzen? 

Mir ist es wichtig zu sagen: Nicht was ich will ist zentral, sondern was wir gemeinsam entwickeln möchten und welche Ziele wir uns zusammen setzen. Das ist wesentlich. Und ich möchte die Dinge, die für die Marienschule jetzt schon charakteristisch sind, gemeinsam mit den Menschen an dieser Schule stärken und so eine Art Markenkern ausbilden.

Ich treffe hier auf ein sehr junges Kollegium, das eröffnet viele Möglichkeiten. Wir müssen gemeinsam überlegen: Wie gehen wir miteinander um? Was möchten wir den Kindern mitgeben? Wo möchten wir uns in einigen Jahren sehen? Und wie kommen wir dahin?

 

Ein großes Thema ist derzeit die Digitalisierung. Wie sehen Sie die Marienschule hier aufgestellt? Und welche Entwicklungen erwarten Sie in diesem Bereich in den nächsten Jahren?

 Digitalisierung ist ein großes Thema, das alle Schulen betrifft. Nach meinem ersten Eindruck ist die Marienschule auf einem guten Weg, mit den neuen Herausforderungen umzugehen und ich finde es spannend, hier selber auch noch lernend aufzutreten. Ich denke da zum Beispiel an die fünfte Klasse, in der wir jetzt verstärkt mit Tablets arbeiten oder an unser Lernzentrum.

Ich bin allerdings auch der Ansicht, dass Digitalisierung ein wichtiges Instrument sein kann, um Unterricht innovativ und zukunftsfähig zu machen, sie darf jedoch kein Selbstzweck sein. Der pädagogische Mehrwert muss auch immer im Blick behalten werden. Der Gegenstand, den wir vermitteln, ist die Begegnung mit Welt. Das ist ja das Kerngeschäft von Schule. Wenn die besser geht mit digitalisierten Medien um so besser, ansonsten bin ich auch ein Freund der Kreide…

 

Wie beurteilen Sie die schulische Aufgabe, neben der fachlichen Ausbildung der Schülerinnen und Schüler auch den Menschen zu formen? 

Schule hat immer den Unterricht im Fokus und das muss auch so sein. Aber wir sind nicht nur Lehrer, sondern Pädagogen und wollen den Schülerinnen und Schülern durch respektvolle, werteorientierte schulische Arbeit bei ihrer demokratischen Entwicklung behilflich sein. Wir müssen ein Klima des Respekts, der Wertschätzung und der Toleranz schaffen, dann lernt man wirklich fürs Leben.

 

Welche Unterrichtsfächer haben Sie studiert und werden Sie auch weiterhin unterrichten? 

Ich habe Deutsch und Geschichte studiert und evangelische Religion für die Sekundarstufe I nachgezogen. Auch Literaturkurse habe ich immer wieder geleitet. Hier übernehme ich erst einmal einen Grundkurs Deutsch in der Q1, und hoffe, in Zukunft noch eine zweite Lerngruppe hinzunehmen zu können, vielleicht auch noch eine AG. Zu mehr bleibt neben meinen sonstigen Aufgaben als Schulleiter leider keine Zeit und das wird für mich eine große Herausforderung, weil ich wirklich sehr gerne unterrichte.

 

Wo finden Sie privat einen Ausgleich zu Ihrer Arbeit als Schulleiter? 

Zuerst einmal bei meiner Familie: meiner Frau, meiner achtjährigen Tochter und meinem sechsjährigen Sohn. Meine Kinder habe ich inzwischen auch mit meiner Begeisterung für den 1. FC Köln angesteckt, und beide spielen im Verein Fußball, damit verbringen wir also viel gemeinsame Zeit. Daneben beschäftige ich mich aber auch gerne mit Garten- und Landschaftsbau im eigenen Garten.

Außerdem habe ich schon viele Projekte im Bereich Erinnerungskultur durchgeführt, vor allem in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus. Vielleicht bietet sich ja auch hier die Möglichkeit, dieses Interesse an der Marienschule einzubringen.

Interview durchgeführt von Maria Joachimsmeier

Autor: Maria Joachimsmeier

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