Literaturkurs präsentierte „Kasimir und Karoline“

Wenn die Generalprobe schief geht, wird die Aufführung großartig. So sagt es zumindest ein Sprichwort, das sich auf den Theaterbühnen hartnäckig hält. Auf das Missgeschick, dass Jana Maria Tews aus dem Literaturkurs der Marienschule Euskirchen einen Tag vor der Premiere des Stückes „Kasimir und Karoline“ unterlief, hätte die 16-jährige wohl dennoch sehr gerne verzichtet. In der vorletzten Szene knickte sie auf der Bühne um und riss sich ein Band im Fußgelenk. Ein Schock für die junge Schauspielerin und ihre Klassenkameraden. „Zuerst wollte ich gar nicht ins Krankenhaus, da ich Angst hatte, nicht bei der Aufführung dabei sein zu können.“ Diese Sorge konnte von den Ärzten jedoch schnell zerschlagen werden und so gelang es Jana während ihres kurzen Aufenthaltes sogar noch einige Flyer für das Stück zu verteilen. Mit Ausnahme der Stützmanschette war am Premierentag am Donnerstag bereits nichts mehr von dem Unfall zu erkennen. „Ich bin zwar sehr nervös vor meinem ersten Auftritt, habe mich aber auch schon seit Wochen unglaublich auf diesen Moment gefreut.“

Für die beiden namensgebenden Protagonisten des Stückes „Kasimir und Karoline“ stand das Oktoberfest vor der Tür. Während Karoline (gespielt von Jana Maria Tews) voller Vorfreude mit dem neuen Dirndl ihre Runden vor dem Spiegel drehte, war Kasimir (Rainer Kuhn) gar nicht nach Feiern zumute. Sein Chef hatte ihm soeben die Nachricht überbracht, dass er sich einen neuen Job suchen müsse. Mit dieser Hiobsbotschaft im Gepäck drohte Kasimir auch die gute Laune seiner Liebsten zu zerstören und so wandten sich beide während des Stücks lieber anderen Festbesuchern zu. Während Kasimir seinen alten und mehrfach vorbestraften Freund Franz Merkl (Jan Senkel) traf, der ihn durch zweifelhafte Ratschläge nur noch weiter von Karoline entfernte, traf diese auf Zuschneider Eugen Schürzinger (Luisa Düren) und ließ sich überzeugen, dass Kasimir ohne seinen Job vielleicht doch nicht der perfekte Mann für sie sei.

„In dem Stück treffen Sanitäter, Wirtschaftsmogule, Arbeitslose und alle Schichten der Gesellschaft aufeinander“, erklärte Kursleiter Manuel von Zelisch. „Das führt zu einem wunderbaren Durcheinander, bei dem jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.“ Ursprünglich in der Zeit der Weltwirtschaftskrise angesiedelt, hatten die Schüler der Marienschule das Stück um einige moderne Details erweitert. So trieben am Donnerstag und Freitag auch zwei aufstrebende YouTube-Sternchen ihr Unwesen auf dem Oktoberfest. Mit Ausnahme einiger in der heutigen Zeit kaum mehr gebräuchlichen Redewendungen, zeigte sich das Stück generell thematisch nach wie vor hochaktuell. „Das Stück ist gesellschaftskritisch und beleuchtet, wie sehr sich arm und reich immer weiter voneinander entfernen“, so von Zelisch. Da war es kaum verwunderlich, dass die Gespräche oftmals für beide Beteiligten sehr verwirrend ausfielen, da sich niemand in die Gedankenwelt des anderen hineinversetzen konnte. Chaotisch und humorvoll beleuchteten die Schülerinnen und Schüler die gesellschaftliche Kluft zwischen den Oktoberfestbesuchern. Dabei machten sie jedoch immer wieder deutlich, dass unabhängig ihres Einkommens hinter jedem Namen und Titel nur ein Mensch steckt.

Autor: Nicole Schuldt

Teilen auf...