„Fußball verbindet“ – Marienschüler bei Max-Ernst-Schule zu Gast

Die Welt ist im Fußballfieber. Alle Blicke richten sich nach Russland, wo die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Alle? Nein, denn auch in Euskirchen wird Fußball gespielt. Und im Gegensatz zum missglückten Auftritt der deutschen Elf kann man den Spielerinnen und Spielern an der Erft wirklich keine mangelnde Begeisterung vorwerfen.

Im Gegenteil: Es geht hoch her in der Sporthalle der LVR-Max-Ernst-Schule. Schnell wechselt der Ball zwischen den Fußballern, fliegt schließlich aufs Tor zu. Nur ungewohnt still ist es dabei, bis auf das Quietschen der Turnschuhe auf dem Boden ist kaum etwas zu hören. Die Mannschaften verständigen sich untereinander nicht mit Rufen, dafür wird immer wieder energisch gestikuliert. Dann landet der Ball im Tor und die Spieler klatschen sich ab, gewonnen! Dass sie sich kaum kennen, dass sie auf verschiedene Schulen gehen, dass die Hälfte eine Behinderung hat, spielt keine Rolle.

„Fußball verbindet. Man gewinnt oder verliert immer zusammen!“, sagt Jürgen Esch. Er ist Sportlehrer an der Max-Ernst-Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation und hat das integrative Turnier gemeinsam mit Marienschul-Lehrerin Alexandra Vogel organisiert. Es ist Teil der Lernpartnerschaft beider Schulen und wird mittlerweile seit fünf Jahren erfolgreich durchgeführt. Rund zwanzig Max-Ernst-Schülerinnen und -schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen nehmen daran teil, von der Marienschule ist es die gesamte Klasse 9e. Es wird ausgelost, wer zusammen spielt, so wird das vom Zufall bestimmt und nicht von der Schulform. In sieben Mannschaften mit je acht bis neun Spielern wird dann gekickt, auch einige Lehrer und Therapeuten sind mit dabei.

Nach acht intensiven Minuten machen die Fußballer dann Platz für die nächste Paarung,  erhitzt und mit roten Köpfen. Geschont wird hier niemand. „Man merkt deutlich, dass die Marienschüler keine Scheu haben“, sagt Sportlehrer Esch. Die Klasse 9e ist nun im dritten Jahr dabei und vertraut damit, dass man sich mit einigen Mitspielern nur mit Gesten verständigen kann. Und auch auf Seiten der Max-Ernst-Schüler gibt es keine Vorbehalte. „Im Gegenteil, wer einmal mitgemacht hat, meldet sich jedes Jahr wieder“, so Esch.

„Mit der Lernpartnerschaft wollen wir Grenzen überwinden“, so Lehrerin Alexandra Vogel. Im Rahmen des Ganztagsunterricht sei an der Marienschule das soziale Lernen besonders im Fokus, Begegnungen wie diese seien da ein großer Gewinn. „Und außerdem ist die Organisation auch einfach super! Wir kommen her, es ist alles vorbereitet, es gibt Getränke und Snacks und alle freuen sich auf uns! So ist man gerne Gast!“

Beim Fußball kann man sich nicht erst kritisch beäugen, unsicher ein Gespräch beginnen. Da sind alle Spieler sofort mitten drin, Kontakt ist Grundvoraussetzung. Genau wie Begeisterung für den Sport und die Begegnung, von der an diesem Tag viel zu spüren ist. Und da könnten sich die Jungs der Nationalmannschaft augenscheinlich gut einmal eine Scheibe abschneiden!

Fußball

M. Joachimsmeier

 

 

Autor: Nicole Schuldt

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